Project Ghana

Endlich angekommen

Die ersten 7.000 km der Reise habe ich mit dem Flugzeug zurückgelegt; hat mit 3 h stopp in Brüssel 12h gedauert.

Der Rest von nur noch 423 km wird nochmal 11h dauern.

Nach einer ruhigen Nacht im Hotel in Accra, der Hauptstatt von Ghana, hat mich der Verkehr draußen auf der Straße geweckt. Das Frühstück am gut gefüllten Büffet war lecker. Nur dachte ich mir keine Experimente am ersten Tag. Also Semmel mit Erdbeermarmelade und Käse. Also nicht zusammen, das wäre dann schon komisch, nacheinander eben.

Nach dem Start der Abfahrt kurzfristig auf 9:00 verschoben wurde hatte ich etwas mehr Zeit.

Dann bin ich so gemütlich im 8:30 zum Empfang. Was mach ich nun mit dem CheckOut? Zahlen will ich das jetzt nicht, gibt bestimmt nur Aufwand damit ich mein Geld bekommen. Keine Ahnung, wie das hier laufen soll. Einfach mal fragen das hilft 🙂 Alles klar, das Zimmer ist schon bezahlt. Ganz schön teure habe ich mir noch gedacht über 200$.

Nun geht’s los. Der Plan ist erstmal die Küste entlang und dann gegen 2 Uhr Lunch. Ganesh sagt noch bis zum Lunch habe wir „good Road“ und danach „bad Road“. Ok ich bin gespannt.

Durch die Stadt ist ewig viel Verkehr, und das dauert über 1h bis wir Accra verlassen haben.

Irgendwie fühlt sich das für mich gut an. Das Gewimmel der Leute, der Wahnsinn auf der Straße. Die vielen kleine Verkaufsstände an der Straße und die die Verkäufer auf der Straße. Das sind nur Frauen also in der überwiegenden Mehrheit. Wenn mal ein Mann dabei ist, verkauft der Scheibenwischen. Daneben gibt es alles Mögliche, was man direkt aus dem Auto kaufen kann. Getränke, Snacks, Masken, Toilettenpapier, Tissues,… Eigentlich gar nicht so blöd, wenn man sowieso im Stau steht, kann man gleich auch noch das einkaufen, was noch fehlt. 

Endlich sind wir aus der Stadt und der Verkehr wird etwas weniger, und wir kommen schneller voran. 

Um 12 machen wir eine kleine Pause, zum „Beine vertreten“ zum Meer anschauen und um was Kaltes zu trinken. Wir sind nicht alle, denn der Fahrer darf nicht mit, der muss im Auto warten. Dann bekomme ich noch die ganze Geschichte zu hören, dass ein anderer Fahrer das Auto von Ganesh vor 3 Monaten zu Schrott gefahren hat. Es war heller Tag und der ist mit dem Auto von der Piste geflogen, die Airbags haben ausgelöst und die vordere Achse hat es wohl ziemlich rausgerissen – Totalschaden. Das aber war ein Junior-Driver.

Nach dem ich den ersten Teil nicht wirklich als gute Straße bezeichnen würde, hab ich noch mal nachgefragt. Was ist „bad road“. Ganesh grübelt etwas um dann die wahrscheinlich einzige richtige Antwort zu geben. „the definition of bad road is no road“

Ich werde es wohl noch erleben. Also weiter auf der Reise bis zum Mittag beim Inder, ist wohl ein guter Freund von Ganesh. Das Essen war lecker, es gab Hühnchenfleische mit Knoblauchbrot. Er hat mir eine riesige Portion auf den Tisch gestellt, so viel konnte ich überhaupt nicht essen. Jetzt fehlt nur noch der Fahrer, er durfte wieder nicht mit, sondern musste das Auto tanken und sich wo anders etwas zum Essen besorgen. Als er nach 1 h immer noch nicht zurück war, ganz hektische Anrufe, aber es geht keiner ans Telefon. Nur nicht drängeln dachte ich mir, in der Zwischenzeit gab es noch einen leckeren Tee.

Also Endspurt die letzten 200km sind bald rum – dachte ich mir. Bis ich dann erfuhr das wir so ca. 21 Uhr am Ziel sein werden. Stimmt da war was die BAD ROAD. Die durfte ich nun auch kennen lernen. Erst mal ist alles Mögliche auf der Straße, Lastwagen, PKW, Dreiräder, Motorrad, Roller, Fahrrad, Fussgänger, Hühner und Ziegen. Dann gibt es jede Menge Schlaglöcher also so tief, dass man da besser nicht durchfährt, wenn man sein nicht Auto beschädigen will. Es gibt nur eine Möglichkeit, man muss um die tiefen Löcher Drumherum fahren, mal auf der Gegenfahrbahn, mal auf dem Randstreifen, mal neben der eigentlichen Straße mal neben dem Randstreifen auf der Gegenfahrbahn, oder eben in Schrittgeschwindigkeit durch das Loch. Selbst mit einem Landcruiser gibt das noch einen heftigen Schlag in die Karosserie. Vor jedem Ort und auch innerhalb der Ortschaften gibt es keine Geschwindigkeitsbeschränkungen sondern einen auf die Straße betonierten Schweller. Im Endeffekt viel wirkungsvoller als Tempo 30 oder „ACHTUNG SCHULE“ oder sonstige Schilder. Über die Schweller kann man mit max. 20 km/h drüberfahren, und das spürt man noch gewaltig. Hier fährt dann auch keiner schneller, wenn doch mach er das genau einmal und bleibt dann mit einem defekten Auto liegen.

Aber weiter nach Samreboi. Je weiter weg von Accra, umso kleiner die Hütten entlang der Straße. Die Menschen hier sind echt arm. So ein krasser Gegensatz zu München. Je weiter wir ins Landesinnere kommen um so grüner wird es. Die Natur ist einfach toll hier. Der Fahrer tut alles daran deutlich früher in Samreboi anzukommen. Einmal kurz hupen, dann wird überholt, und ich dachte die Menschen in Ghana haben mehr Zeit offensichtlich nicht beim Autofahren. So langsam wir es auch dunkel, und noch 2h Fahrt bis zum Ziel. Ich hatte zu Hause schon gehört, dass man in Afrika möglichst nicht im Dunkeln fährt. Die asphaltierte Straße habe wir längst hinter uns gelassen und sind nun auf „no road“. Ich bin ja schon viel gefahren, aber das habe ich noch nicht erlebt, und da muss man schon gottvertrauen haben. Nachts ist des stockdunkel, also richtig dunkel, aber auf der Straße ist trotzdem nicht weniger Verkehr. Immer noch Fußgänger, die plötzlich da sind, oder Radfahrer ohne Licht, nur wenn man genau hinsieht kann man manchmal die Katzenaugen der Pedale sehen. Alle möglichen Fahrzeuge ohne Licht oder nur mit Licht vorne. Wenn ein Auto entgegenkommt, ist es so staubig, das ich nicht mehr erkennen kann. Wie der Fahrer da sich Schlaglöcher sieht, ist mir ein Rätsel. Und wenn dann ein Truck mit Holz vollgeladen entgegenkommt, fährt man besser auf die Seite, notfalls auch neben die Straße, denn der Truck zieht gnadenlos durch. Mal einen kurzen Blick auf den Tacho werfen, unser Auto donnert mit 80 Sachen in der Dunkelheit über die Piste, so ganz wohl ist mir jetzt nicht mehr. 

Jetzt mögt ihr sagen, ja mit 80 fahre ich auch auf dem Mittleren Ring. 

OK, der ist Nachts hell erleuchtet, da gibt es keine Hühner und Ziegen, Fahräder und Fußgänger gibt es auch keine auf der Straße, und das wichtigste auf dem Ring gibt es keine Schlaglöcher, die die die Achse rausreißen können.

Am Ende sind wir wohlbehalten ohne Unfall nur etwas durchgeschüttelt angekommen.

#StayTuned

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