Der erste Tag war noch ziemlich holprig, sowohl bei mir als auch bei den Ghanesen.
Ich hatte schon recht mit der Wahl der Gruppen. Was ich nun so langsam erfahren habe.
Alles ausgebildete Mechaniker, die schon seit Jahren den ganzen Fuhrpark warten und sich mit der Autoelektrik auskennen, die wissen, wie man Fehler sucht, die wissen wie man Fehler behebt. Die warten auch die Maschinen von CAT (Caterpillar) mit Diagnoseadapter und Laptop. Da habe ich mir gedacht: Und was soll ich nun hier?
Bis ich dann drauf kam, dass sie genau dann nicht mehr weiterkommen, wenn es um Steuergeräte geht. Dann habe ich erstmal 2 Tage alle möglichen Fragen zum Bordnetz und Steuergeräten beantwortet und Stromlaufpläne durchgegangen – also die Beispiele aus meinem Buch. Was hier fehlt ist eine Fahrzeugdiagnose und die Service-Unterlagen der Fahrzeuge. Die PKW sind alle neu so 2-9 Jahre alt, und da kommst du ohne Diagnose nicht weit. Die beiden Busse KIA sind auch nur 10 Jahre alt, also ebenfalls relativ neu.
Dann bin ich zum Chef, habe ihm die Lage erklärt und gesagt, dass seine Leute ohne diese Diagnoserechner nicht weiterkommen, und nicht den nächst Schritt für die Wartung der PKW machen können. Er schaut mich an, sagt ja machen wir, gibt mir eine Telefonnummer in Buxtehude und sagt ich soll die Dinger bestellen, wenn sie nicht mehr als 2.000 € kosten. Das ist echt eine Menge Geld hier, wenn man bedenkt, dass das durchschnittliche Monatseinkommen in Ghana bei 120 € liegt. So jetzt kann ich die passenden Geräte raussuchen.
Mit der Gruppe B habe ich die Grundlagen der Elektrotechnik besprochen. Was ist Spannung, Strom, Widerstand, Leistung, Arbeit usw.
Echt anstrengend, weil einfach nur aus dem Buch vorlesen funktioniert nicht, also muss ich mir für jeden Tag neue Folien basteln und in so kleine Stücke packen, dass es noch verständlich ist. Die Grundlagen der Physik kennen alle, so dass es eigentlich ganz gut voran geht.
Da hier alles über WhatsApp läuft habe ich 2 WhatsApp-Gruppen mit den jeweiligen Teilnehmern erstellt und schicke den beiden Gruppen dann noch mal schriftlich was wir an dem Tag gemacht haben.
Bis Freitag lief es schon recht rund, ich habe den richtigen Aufsatzpunkt und das richtige Tempo gefunden.
Am Samstag war ich eine Runde spazieren, da kam mir Benjamin entgegen. „Hallo Erwin, wie geht’s, was machst du heute so.“
Wenn ich so die Woche zurückblicke, war es ein ganz passabler Start. Aber ich sag‘s euch, das ist hier brutal anstrengend – Urlaub ist das keiner.

Unterkunft und Essen sind gut, da kann man nicht meckern. Ich habe ein eigenes riesiges Haus für mich allein. Das Club-Haus vom Golf-Platz ist auf der anderen Straßenseite. Gelegentlich kommen mich Pfaue auf der Terrasse besuchen.

Es kann schon mal passieren, dass man duschen will und gerade kein Wasser kommt. Oder das so mindestens 3x am Tag der Strom weg ist. Heute ist das beim Abendessen passiert. Zack – Stom weg, Klimaanlage aus, alles stockdunkel. Dann bin ich in Schlafzimmer gegangen, habe meine Taschenlampe geholt, habe sie auf den Tisch gestellt, dann konnte ich weiter essen.
Geht alles.
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